
Erl1 – Neubau Mehrfamilienhaus mit zwei Baukörpern
Wohnen zwischen Landschaft und Stadt in Siegburg-Kaldauen
Zwischen gewachsener Wohnbebauung, großzügigen Grünräumen und den Landschaften des Rhein-Sieg-Kreises entsteht in Siegburg-Kaldauen — im Spannungsfeld zwischen Köln und Bonn — ein Wohnensemble aus zwei Mehrfamilienhäusern mit insgesamt zwölf Wohneinheiten und gemeinsamer Tiefgarage. Die Architektur entwickelt sich dabei bewusst aus der Ruhe des Ortes heraus. Klare Baukörper, großzügige Fensteröffnungen und präzise eingeschnittene Balkone und Dachterrassen schaffen helle Wohnräume mit fließenden Übergängen zwischen Innenraum und Landschaft. Anstatt maximale Dichte in den Vordergrund zu stellen, konzentriert sich das Projekt auf langfristige Wohnqualität, klare Grundrisse und eine zurückhaltende architektonische Sprache. Die beiden Gebäude reagieren sensibel auf den Maßstab ihrer Umgebung und entwickeln ihre Qualität über Proportion, Licht und räumliche Atmosphäre. So entsteht ein Wohnprojekt, das urbane Wohnqualität mit der Selbstverständlichkeit des Wohnens im Grünen verbindet.
Architektur aus Proportion und Ruhe
Die beiden dreigeschossigen Gebäude entwickeln ihre Qualität nicht über expressive Formen, sondern über Klarheit, Proportion und eine präzise Organisation der Baukörper.
Großzügige Fensteröffnungen, eingeschnittene Balkone und Dachterrassen strukturieren die Fassaden und schaffen gleichzeitig geschützte Außenräume mit Blick in die umliegende Landschaft. Die Staffelung der obersten Geschosse reduziert die Wirkung der Baukörper im Straßenraum und erzeugt differenzierte Terrassen- und Freiraumsituationen.
Die Architektur versteht sich bewusst zurückhaltend. Die Gebäude ordnen sich selbstverständlich in ihre Umgebung ein und entwickeln ihre Identität über Maßstäblichkeit, Licht und räumliche Qualität.
Das Projekt zeigt, dass hochwertige Wohnarchitektur nicht laut sein muss.
FAKTEN:
Ort:
Siegburg-Kaldauen, Nordrhein-Westfalen
Projektzeitraum:
2023–2026
Typologie:
Mehrfamilienhaus / Wohnungsbau
Nutzung:
12 Wohnungen und eine Gewerbeeinheit
Projektumfang:
Zwei Baukörper mit gemeinsamer Tiefgarage; jeweils Untergeschoss und drei Obergeschosse
Bauweise:
Massivbauweise mit Staffelgeschossen in vorgefertigter Holzrahmenbauweise
Fläche:
ca. 1.150 m² Wohnfläche sowie ca. 610 m² Untergeschoss und Tiefgarage
Auftraggeber:
Private Projektgesellschaft
Leistung:
Grundlagen Ausführungsplanung, Vermarktungsunterlagen und Visualisierungen sowie Planung und Begleitung einer Nutzungsänderung im laufenden Genehmigungsprozess
Status:
Im Bau
Besonderheiten:
Zwei durchgesteckte Wohngebäude, KfW-40-Standard, gemeinsame Tiefgarage, barrierefreie Erschließung und Staffelgeschosse in Holzrahmenbauweise
Durchgesteckte Wohnungen mit hoher Wohnqualität
Insgesamt entstehen zwölf Wohnungen mit Größen zwischen rund 50 und 130 Quadratmetern.
Die Wohnungen sind als durchgesteckte Grundrisse organisiert und orientieren sich jeweils in zwei oder teilweise sogar drei Himmelsrichtungen. Dadurch entstehen helle Wohnräume mit natürlichen Belichtungs- und Blicksituationen über den gesamten Tagesverlauf hinweg.
Pro Geschoss werden jeweils nur zwei Wohnungen über zentrale Treppenhäuser mit Aufzügen erschlossen. Dadurch entsteht eine ruhige und private Wohnatmosphäre innerhalb der Häuser. Großzügige Wohn- und Essbereiche bilden den räumlichen Mittelpunkt der Wohnungen und werden durch Balkone, Dachterrassen oder private Gartenbereiche selbstverständlich in den Außenraum erweitert.
Die unterschiedlichen Wohnungsgrößen ermöglichen verschiedene Lebensmodelle — vom kompakten Apartment bis zur familienorientierten Wohnung mit mehreren Schlafzimmern.
Wohnen im Übergang zwischen Innen und Außen
Ein wesentliches Thema des Projekts ist die Verbindung zwischen Wohnraum und Landschaft.
Die Erdgeschosswohnungen öffnen sich zu privaten Gärten und Terrassen, während die Obergeschosse großzügige Balkone und Dachterrassen erhalten. Die Außenräume sind dabei nicht als Zusatzfläche gedacht, sondern als selbstverständliche Erweiterung der Wohnungen.
Die Außenanlagen verbinden die beiden Häuser zu einem zusammenhängenden Ensemble aus Wegen, Grünflächen und privaten Freibereichen.
So entsteht ein Wohnprojekt, das nicht nur auf die Gebäude selbst reagiert, sondern ebenso auf die Atmosphäre des Ortes.
Infrastruktur und Alltag
Neben den räumlichen Qualitäten stand auch die langfristige Alltagstauglichkeit des Projekts im Fokus der Planung.
Die Gebäude verfügen über eine gemeinschaftliche Tiefgarage mit Elektromobilitäts-Infrastruktur, private Abstellräume, Fahrradstellplätze sowie barrierefreie Erschließung über Aufzüge.
Die Wohnungen sind klar organisiert und auf unterschiedliche Lebenssituationen ausgelegt. Außenliegende Verschattungselemente, großzügige Fensterflächen und die präzise Anordnung der Grundrisse schaffen ein hohes Maß an Wohnkomfort.
Nachhaltigkeit als selbstverständlicher Bestandteil der Architektur
Die beiden Wohnhäuser wurden im KfW-40-Standard geplant und verbinden energieeffizientes Bauen mit einer klaren architektonischen Sprache.
Eine Wärmepumpe in Kombination mit Photovoltaik unterstützt die nachhaltige Energieversorgung der Gebäude. Gleichzeitig sorgen kompakte Baukörper und hochwertige Dämmstandards für einen ressourcenschonenden Betrieb.
Das Staffelgeschoss ist in vorgefertigter Holzrahmenbauweise geplant und ergänzt die massive Grundstruktur der Gebäude um eine leichte und nachhaltige Konstruktion.
Nachhaltigkeit wird dabei nicht als technisches Zusatzthema verstanden, sondern als integraler Bestandteil langlebiger Architektur.
Weiterentwicklung im Planungsprozess
Im laufenden Planungsprozess wurde aufgrund veränderter Anforderungen innerhalb des Projekts eine Nutzungsänderung im Erdgeschoss von Haus 2 geplant und genehmigungsseitig begleitet.
Dabei wurden ursprünglich zwei Wohnungen zu einer zusammenhängenden Gewerbeeinheit für ein Steuerberatungsbüro umstrukturiert.
Durch die Anpassung konnte flexibel auf neue Anforderungen innerhalb des Projekts reagiert werden, ohne die grundsätzliche architektonische Struktur des Hauses zu verändern.
Architektur als Teil des Ortes
„Erl1“ versteht Wohnen nicht als isoliertes Objekt, sondern als Teil seines räumlichen Kontextes.
Zwischen Stadt, Landschaft und gewachsener Nachbarschaft entsteht ein Wohnprojekt, das auf Klarheit, Alltagstauglichkeit und langfristige Qualität setzt. Die Architektur entwickelt sich dabei nicht aus kurzfristigen Trends, sondern aus Licht, Proportion, Materialität und der Beziehung zwischen Innenraum und Umgebung.
So entsteht in Siegburg-Kaldauen ein Ensemble, das sich ruhig in seine Umgebung einfügt und gleichzeitig eine eigenständige architektonische Haltung entwickelt.
