Projekt aus 30. August

Aug30 – Dachaufstockung und Nachverdichtung

Wohnraumentwicklung durch Dachaufstockung im Stadtzentrum Düsseldorfs

Mitten im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort befindet sich ein Gebäude, das im Verhältnis zu seiner Umgebung beinahe wie ein ungenutzter Zwischenraum wirkt. Während die angrenzenden Blockränder die typische urbane Dichte des Quartiers ausbilden, bleibt der rund 80 Meter lange Bestandsbau mit seinen niedrigen Geschossen deutlich unter dem städtebaulichen Potenzial des Ortes. Das Projekt „Aug30“ untersucht, wie durch eine nachhaltige Dachaufstockung neuer Wohnraum innerhalb der bestehenden Stadt entstehen kann — ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln und ohne bestehende urbane Strukturen zu verdrängen. Das Projekt versteht Nachverdichtung nicht als maximale Ausnutzung, sondern als präzise Ergänzung des Vorhandenen. So wird die Stadt nicht nach außen hin erweitert, sondern ihre Lücken im Bestand werden logisch geschlossen.

Stadt reparieren statt erweitern

Gerade in wachsenden Großstädten entsteht neuer Wohnraum häufig am Stadtrand. Gleichzeitig bleiben innerhalb der bestehenden Stadt zahlreiche räumliche Potenziale ungenutzt. Niedriggeschossige Gewerbebauten, eingeschossige Supermärkte oder flache Bestandsstrukturen bilden vielerorts urbane Leerstellen mitten im Zentrum.
Unser Projekt „Aug30“ beschäftigt sich mit genau diesen Zwischenräumen der Stadt.
Die Dachaufstockung nutzt vorhandene Infrastruktur, vorhandene Erschließung und vorhandene Flächen weiter. Dadurch entsteht neuer Wohnraum dort, wo die Stadt bereits funktioniert — eingebettet in bestehende Nachbarschaften, Mobilitätsstrukturen und urbane Lebensräume.
Die Machbarkeitsstudie versteht sich dabei exemplarisch für einen zeitgemäßen Umgang mit innerstädtischer Nachverdichtung und dem Weiterbauen im Bestand.

FAKTEN:

Ort:

Düsseldorf-Pempelfort, Nordrhein-Westfalen

Projektzeitraum:

2024

Typologie:

Dachaufstockung / Wohnraumentwicklung im Bestand

Nutzung:

Wohnen, Co-Living, Gemeinschaftsflächen, Gewerbe

Projektumfang:

Aufstockung eines dreigeschossigen Bestandsgebäudes um zwei Wohngeschosse mit 13 Wohnungen und gemeinschaftlich genutzter Dachlandschaft

Bauweise:

Vorgefertigte Holzbauweise mit Brettsperrholzwänden und -decken sowie vorgelagerter Stahlrahmenkonstruktion

Fläche:

ca. 1.990 m² Bestand und ca. 1.100 m² neue Wohnfläche

Auftraggeber:

Privateigentümer

Leistung:

Machbarkeitsstudie und Entwurfskonzept

Status:

Konzeptioniert

Besonderheiten:

Modulare Wohnungstypen, südlicher Laubengang mit transluzenten Pufferzonen, gemeinschaftliche Dachterrassen, Urban Gardening, Gewächshäuser und sichtbare Holzoberflächen

Isometrische Schnittzeichnung des Gesamtgebäudes, zeigt die L-förmige Struktur mit gestaffeltem Aufbau, Dachterrassen und Gewächshäusern im Kontext der umliegenden Bebauung
Grundriss Erdgeschoss mit drei separaten Gebäudeteilen: Gewerbeeinheiten, Erschließungskern und Nebengebäude, Maßangaben 7,50 m und 28,45 m sichtbar
Grundriss 1. Obergeschoss mit durchgehendem Bürogrundriss: offene Großraumbüros, Besprechungsräume und Nebenräume entlang einer langen Mittelachse
Grundriss 2. Obergeschoss mit Wohnungsgrundrissen, je zwei Einheiten pro Achse mit Schlaf-, Wohn- und Nasszellen
Grundriss 3. Obergeschoss (Aufstockung) mit verdichteteren Wohnungsgrundrissen, Loggien und Freisitzen zur Hofseite
Grundriss 4. Obergeschoss (Aufstockung) mit ähnlicher Wohnungsstruktur wie OG3, leicht variierter Grundrissorganisation
Grundriss Dachgartenebene mit Freiräumen, Beetelementen, Sitzgruppen und Gewächshausmodulen
Straßenansicht des Gebäudes: horizontale Gliederung durch Geschossebenen, gleichmäßige Fensterbänder, Dachaufbauten mit Gewächshäusern und Begrünung
Hofansicht mit Blick auf Loggien, Balkone und Dachterrassenaufbauten, begrünte Brüstungen und Glasgewächshäuser sichtbar
Längsschnitt durch das gesamte Gebäude: zeigt die Abfolge aller Geschosse von Erdgeschoss bis Dach mit Nutzungen, Möblierung und Erschließung
Querschnitt mit Geschosshöhenangaben (±0,00 m bis +16,94 m), zeigt die Aufstockungsstruktur mit Dachgarten und Bezug zur angrenzenden Bebauung
Detailschnitt der Fassade: links Ansicht mit Laubengang und Pufferzone, rechts Vertikalschnitt durch zwei Geschosse mit Raumhöhen, Brüstungen und Personen zur Maßstabsverdeutlichung
Grundrisse der Wohnungstypen S (Ebene 1) und M (Ebene 1 + Ebene 2): kompakte Einzimmer- bzw. Maisonette-Grundrisse mit Schlaf-, Wohn- und Sanitärbereich
Grundrisse Wohnungstyp L (Ebene 1 + Ebene 2): Maisonette mit Schlafbereich oben, großzügigem Wohn- und Essbereich unten
Grundrisse Wohnungstyp XL (Ebene 1 + Ebene 2): größte Einheit mit zwei Schlafzimmern, getrenntem Wohn- und Essbereich, Dachterrasse auf Ebene 2

Weiterbauen im Raster des Bestands

Das bestehende Gebäude basiert auf einem klaren konstruktiven Raster mit einem Achsmaß von rund 7,50 Metern. Diese Struktur bildet die Grundlage der gesamten Aufstockung.
Für die neuen Wohnebenen wird das Raster präzise halbiert. Aus dem neuen 3,75-Meter-Modul entstehen flexibel kombinierbare Wohnungstypologien mit 30, 60, 90 und 120 Quadratmetern Wohnfläche. Trotz der zusätzlichen Geschosse bleibt die Logik des Bestands in der neuen Fassade weiterhin ablesbar.
Die Aufstockung wirkt dadurch nicht wie ein aufgesetztes Element, sondern wie eine konsequente Weiterentwicklung der vorhandenen Architektur.

Der Laubengang als sozialer Zwischenraum

Im Zentrum des Entwurfs steht die Erschließung der neuen Wohnungen über einen südlich orientierten Laubengang. Anders als klassische innenliegende Flure versteht sich dieser Bereich nicht nur als Verkehrsfläche, sondern als gemeinschaftlicher Aufenthaltsraum.
Zwischen Wohnung und Laubengang entsteht eine vorgelagerte Pufferzone in Form transluzenter Loggien. Verschiebbare Elemente ermöglichen unterschiedliche Grade von Offenheit und Rückzug. Bewohner können selbst entscheiden, ob sie sich dem gemeinschaftlichen Leben des Hauses öffnen oder bewusst Distanz schaffen möchten.
So entstehen räumliche Übergänge zwischen Öffentlichkeit und Privatheit, die soziale Interaktion fördern, ohne sie aufzuzwingen.
Die zweigeschossigen Lufträume zwischen Balkonen, Loggien und Laubengängen erzeugen dabei eine räumliche Tiefe, die den langen Baukörper gliedert und eine hohe Aufenthaltsqualität schafft.

Flexible Wohnformen für unterschiedliche Lebensmodelle

Die vier entwickelten Wohnungstypen basieren alle auf demselben modularen System und lassen sich flexibel kombinieren.
Vom kompakten Studio-Apartment bis zur großzügigen Maisonettewohnung entstehen unterschiedlichste Wohnformen innerhalb einer klaren konstruktiven Ordnung. Kleinere Wohnungen reagieren auf die steigende Nachfrage nach urbanem, flächeneffizientem Wohnen, während die größeren Maisonettewohnungen großzügige Familiengrundrisse mit zweigeschossigen Räumen, Galerien und Balkonen bieten.
Die Mischung der verschiedenen Typologien erzeugt eine heterogene Hausgemeinschaft und ermöglicht langfristig unterschiedliche Nutzungs- und Lebensmodelle innerhalb derselben Struktur.

Transformation des Bestands

Neben der eigentlichen Dachaufstockung untersucht das Projekt auch die Weiterentwicklung der bestehenden Nutzungen.
Im zweiten Obergeschoss befindet sich bereits heute eine große Wohngemeinschaft mit 24 Bewohnern. Im Zuge der Planung wird diese Ebene räumlich neu organisiert und um individuelle Badkerne ergänzt. Die gemeinschaftlichen Bereiche können dadurch geöffnet und flexibler genutzt werden.
Gleichzeitig entstehen Strukturen, die perspektivisch auch alternative Nutzungen wie studentisches Wohnen, Co-Living, betreutes Wohnen oder Beherbergung ermöglichen.
Das erste Obergeschoss mit dem bestehenden Architekturbüro bleibt hingegen weitgehend unverändert. Im Erdgeschoss werden zusätzliche Gewerbeflächen innerhalb der aufgeständerten Struktur ergänzt und stärken damit die urbane Nutzungsmischung des Gebäudes.

Gemeinschaft über den Dächern der Stadt

Den räumlichen Abschluss des Projekts bildet eine gemeinschaftlich nutzbare Dachlandschaft.
Auf dem Dach entstehen Terrassenflächen, Gewächshäuser, Urban-Gardening-Bereiche sowie gemeinschaftliche Aufenthaltsräume mit Blick über die Dächer Düsseldorfs. Die Dachfläche wird dadurch nicht nur technisch genutzt, sondern als sozialer Ort aktiviert.
Gerade in verdichteten innerstädtischen Situationen liegt hierin ein enormes Potenzial: ungenutzte Dachflächen werden zu grünen, gemeinschaftlichen Lebensräumen innerhalb der Stadt.

Nachhaltige Dachaufstockung in Holzbauweise

Die neuen Wohnebenen sind als vorgefertigte Holzbaukonstruktion geplant. Tragende Innen- und Außenwände aus Brettsperrholz ermöglichen eine vergleichsweise leichte Bauweise und reduzieren die Eingriffe in den Bestand.
Die sichtbaren Holzoberflächen prägen die Atmosphäre der Innenräume und schaffen eine warme, ruhige Materialität. Ergänzt wird die massive Holzstruktur durch eine filigrane vorgelagerte Stahlrahmenkonstruktion des Laubengangs.
Die Kombination aus Vorfertigung, geringem Gewicht und nachhaltiger Materialwahl macht die Holzbauweise besonders geeignet für innerstädtische Dachaufstockungen im Bestand.

Potenziale sichtbar machen

„Aug30“ zeigt, wie durch präzise architektonische Eingriffe neuer Wohnraum entstehen kann, ohne zusätzliche Flächen zu verbrauchen.
Das Projekt versteht Dachaufstockung als Chance, bestehende Gebäude weiterzudenken, urbane Potenziale zu aktivieren und die Stadt behutsam zu ergänzen. Gerade in wachsenden Städten wie Düsseldorf liegt ein großer Teil zukünftiger Wohnraumentwicklung bereits im Bestand verborgen.
Nicht außerhalb der Stadt.
Sondern mitten in ihr.