Projekt aus 30. August

Erl1 – Neubau Mehrfamilienhaus mit zwei Baukörpern

Wohnen zwischen Landschaft und Stadt in Siegburg-Kaldauen

Zwischen gewachsener Wohnbebauung, großzügigen Grünräumen und den Landschaften des Rhein-Sieg-Kreises entsteht in Siegburg-Kaldauen — im Spannungsfeld zwischen Köln und Bonn — ein Wohnensemble aus zwei Mehrfamilienhäusern mit insgesamt zwölf Wohneinheiten und gemeinsamer Tiefgarage. Die Architektur entwickelt sich dabei bewusst aus der Ruhe des Ortes heraus. Klare Baukörper, großzügige Fensteröffnungen und präzise eingeschnittene Balkone und Dachterrassen schaffen helle Wohnräume mit fließenden Übergängen zwischen Innenraum und Landschaft. Anstatt maximale Dichte in den Vordergrund zu stellen, konzentriert sich das Projekt auf langfristige Wohnqualität, klare Grundrisse und eine zurückhaltende architektonische Sprache. Die beiden Gebäude reagieren sensibel auf den Maßstab ihrer Umgebung und entwickeln ihre Qualität über Proportion, Licht und räumliche Atmosphäre. So entsteht ein Wohnprojekt, das urbane Wohnqualität mit der Selbstverständlichkeit des Wohnens im Grünen verbindet.

Architektur aus Proportion und Ruhe

Die beiden dreigeschossigen Gebäude entwickeln ihre Qualität nicht über expressive Formen, sondern über Klarheit, Proportion und eine präzise Organisation der Baukörper.
Großzügige Fensteröffnungen, eingeschnittene Balkone und Dachterrassen strukturieren die Fassaden und schaffen gleichzeitig geschützte Außenräume mit Blick in die umliegende Landschaft. Die Staffelung der obersten Geschosse reduziert die Wirkung der Baukörper im Straßenraum und erzeugt differenzierte Terrassen- und Freiraumsituationen.
Die Architektur versteht sich bewusst zurückhaltend. Die Gebäude ordnen sich selbstverständlich in ihre Umgebung ein und entwickeln ihre Identität über Maßstäblichkeit, Licht und räumliche Qualität.
Das Projekt zeigt, dass hochwertige Wohnarchitektur nicht laut sein muss.

FAKTEN:

Ort:

Siegburg-Kaldauen, Nordrhein-Westfalen

Projektzeitraum:

2023–2026

Typologie:

Mehrfamilienhaus / Wohnungsbau

Nutzung:

12 Wohnungen und eine Gewerbeeinheit

Projektumfang:

Zwei Baukörper mit gemeinsamer Tiefgarage; jeweils Untergeschoss und drei Obergeschosse

Bauweise:

Massivbauweise mit Staffelgeschossen in vorgefertigter Holzrahmenbauweise

Fläche:

ca. 1.150 m² Wohnfläche sowie ca. 610 m² Untergeschoss und Tiefgarage

Auftraggeber:

Private Projektgesellschaft

Leistung:

Grundlagen Ausführungsplanung, Vermarktungsunterlagen und Visualisierungen sowie Planung und Begleitung einer Nutzungsänderung im laufenden Genehmigungsprozess

Status:

Im Bau

Besonderheiten:

Zwei durchgesteckte Wohngebäude, KfW-40-Standard, gemeinsame Tiefgarage, barrierefreie Erschließung und Staffelgeschosse in Holzrahmenbauweise

Grundriss Untergeschoss mit Tiefgarage, Stellplätzen, Technikräumen und zentralem Treppenhauskern für beide Baukörper
Grundriss Erdgeschoss beider Baukörper nebeneinander: je zwei Wohneinheiten mit Grundrissorganisation, Eingangsbereichen und Terrassen/Gartenzugängen
Grundriss 1. Obergeschoss beider Häuser mit Wohnungsgrundrissen, Balkonen und zentralen Erschließungskernen
Grundriss Dachgeschoss beider Baukörper mit zurückgesetzten Wohnungen, Dachterrassen und Staffelgeschossstruktur

Durchgesteckte Wohnungen mit hoher Wohnqualität

Insgesamt entstehen zwölf Wohnungen mit Größen zwischen rund 50 und 130 Quadratmetern.
Die Wohnungen sind als durchgesteckte Grundrisse organisiert und orientieren sich jeweils in zwei oder teilweise sogar drei Himmelsrichtungen. Dadurch entstehen helle Wohnräume mit natürlichen Belichtungs- und Blicksituationen über den gesamten Tagesverlauf hinweg.
Pro Geschoss werden jeweils nur zwei Wohnungen über zentrale Treppenhäuser mit Aufzügen erschlossen. Dadurch entsteht eine ruhige und private Wohnatmosphäre innerhalb der Häuser. Großzügige Wohn- und Essbereiche bilden den räumlichen Mittelpunkt der Wohnungen und werden durch Balkone, Dachterrassen oder private Gartenbereiche selbstverständlich in den Außenraum erweitert.
Die unterschiedlichen Wohnungsgrößen ermöglichen verschiedene Lebensmodelle — vom kompakten Apartment bis zur familienorientierten Wohnung mit mehreren Schlafzimmern.

Wohnen im Übergang zwischen Innen und Außen

Ein wesentliches Thema des Projekts ist die Verbindung zwischen Wohnraum und Landschaft.
Die Erdgeschosswohnungen öffnen sich zu privaten Gärten und Terrassen, während die Obergeschosse großzügige Balkone und Dachterrassen erhalten. Die Außenräume sind dabei nicht als Zusatzfläche gedacht, sondern als selbstverständliche Erweiterung der Wohnungen.
Die Außenanlagen verbinden die beiden Häuser zu einem zusammenhängenden Ensemble aus Wegen, Grünflächen und privaten Freibereichen.
So entsteht ein Wohnprojekt, das nicht nur auf die Gebäude selbst reagiert, sondern ebenso auf die Atmosphäre des Ortes.

Infrastruktur und Alltag

Neben den räumlichen Qualitäten stand auch die langfristige Alltagstauglichkeit des Projekts im Fokus der Planung.
Die Gebäude verfügen über eine gemeinschaftliche Tiefgarage mit Elektromobilitäts-Infrastruktur, private Abstellräume, Fahrradstellplätze sowie barrierefreie Erschließung über Aufzüge.
Die Wohnungen sind klar organisiert und auf unterschiedliche Lebenssituationen ausgelegt. Außenliegende Verschattungselemente, großzügige Fensterflächen und die präzise Anordnung der Grundrisse schaffen ein hohes Maß an Wohnkomfort.

Nachhaltigkeit als selbstverständlicher Bestandteil der Architektur

Die beiden Wohnhäuser wurden im KfW-40-Standard geplant und verbinden energieeffizientes Bauen mit einer klaren architektonischen Sprache.
Eine Wärmepumpe in Kombination mit Photovoltaik unterstützt die nachhaltige Energieversorgung der Gebäude. Gleichzeitig sorgen kompakte Baukörper und hochwertige Dämmstandards für einen ressourcenschonenden Betrieb.
Das Staffelgeschoss ist in vorgefertigter Holzrahmenbauweise geplant und ergänzt die massive Grundstruktur der Gebäude um eine leichte und nachhaltige Konstruktion.
Nachhaltigkeit wird dabei nicht als technisches Zusatzthema verstanden, sondern als integraler Bestandteil langlebiger Architektur.

Weiterentwicklung im Planungsprozess

Im laufenden Planungsprozess wurde aufgrund veränderter Anforderungen innerhalb des Projekts eine Nutzungsänderung im Erdgeschoss von Haus 2 geplant und genehmigungsseitig begleitet.
Dabei wurden ursprünglich zwei Wohnungen zu einer zusammenhängenden Gewerbeeinheit für ein Steuerberatungsbüro umstrukturiert.
Durch die Anpassung konnte flexibel auf neue Anforderungen innerhalb des Projekts reagiert werden, ohne die grundsätzliche architektonische Struktur des Hauses zu verändern.

Architektur als Teil des Ortes

„Erl1“ versteht Wohnen nicht als isoliertes Objekt, sondern als Teil seines räumlichen Kontextes.
Zwischen Stadt, Landschaft und gewachsener Nachbarschaft entsteht ein Wohnprojekt, das auf Klarheit, Alltagstauglichkeit und langfristige Qualität setzt. Die Architektur entwickelt sich dabei nicht aus kurzfristigen Trends, sondern aus Licht, Proportion, Materialität und der Beziehung zwischen Innenraum und Umgebung.
So entsteht in Siegburg-Kaldauen ein Ensemble, das sich ruhig in seine Umgebung einfügt und gleichzeitig eine eigenständige architektonische Haltung entwickelt.